Solaranlage kaufen oder mieten? Der ehrliche Vergleich
Enpal, Zolar, DZ4 – Mietmodelle für Solaranlagen sind überall praesent. Die Werbung verspricht: „Solaranlage ohne Anschaffungskosten, einfach monatlich zahlen.“ Klingt verlockend. Aber ist es wirklich günstiger als der Kauf? Wir rechnen es durch – ehrlich, transparent und ohne Verkaufsinteresse.
Spoiler: Kaufen ist in fast allen Fällen günstiger. Aber Mieten hat seine Berechtigung – für eine bestimmte Zielgruppe. Dieser Artikel zeigt dir, in welche Kategorie du faellst.
So funktioniert das Mietmodell
Beim Mietmodell (auch Solar-Abo oder Solar-Leasing genannt) installiert ein Anbieter eine Solaranlage auf deinem Dach. Du zahlst eine monatliche Rate über typischerweise 20 Jahre. Die Anlage gehört während dieser Zeit dem Anbieter.
Was im Mietpreis enthalten ist:
- Planung und Installation der Anlage
- Alle Komponenten (Module, Wechselrichter, ggf. Speicher)
- Wartung und Reparaturen während der Laufzeit
- Versicherung der Anlage
- Monitoring und Fernueberwachung
Was nicht im Mietpreis enthalten ist:
- Der Strom, den du aus dem Netz beziehst (wenn die Solaranlage nicht genug liefert)
- Der Eigentumsuebergang – die Anlage gehört dir erst nach 20 Jahren (und auch das nur optional)
- Eventuelle Dacharbeiten, die vor der Installation nötig sind
So funktioniert der Kauf
Beim Kauf bezahlst du die Anlage einmalig oder finanzierst sie über einen Kredit (z.B. KfW 270). Die Anlage gehört dir sofort. Du bist für Wartung und Versicherung selbst verantwortlich – wobei moderne Anlagen kaum Wartung brauchen.
Der grosse Kostenvergleich: 20 Jahre Laufzeit
Wir vergleichen eine 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher – das häufigste Setup für Einfamilienhäuser.
| Position | Kauf | Miete (z.B. Enpal) |
|---|---|---|
| Anschaffung / Einmalzahlung | 19.000 € | 0 € |
| Monatliche Rate (20 Jahre) | 0 € | 159–199 €/Monat |
| Gesamtkosten nach 20 Jahren | 19.000 € | 38.160–47.760 € |
| Wartung & Versicherung (20 J.) | 2.000–3.000 € | inklusive |
| Gesamtkosten inkl. Nebenkosten | 21.000–22.000 € | 38.160–47.760 € |
| Eigentümer der Anlage | Du, sofort | Anbieter (20 Jahre lang) |
| Einspeisevergütung | Geht an dich | Geht an den Anbieter |
| Anlage nach 20 Jahren | Deine (läuft weitere 10+ Jahre) | Kauf zum Restwert oder Abbau |
Wichtig: Bei den meisten Mietmodellen behaelt der Anbieter die Einspeisevergütung. Das bedeutet: Du zahlst nicht nur die Miete, du verzichtest auch auf Einnahmen von 400–600 Euro pro Jahr. Das verschlechtert die Rechnung für die Miete nochmals deutlich.
Kostenvergleich mit Kredit-Finanzierung
Das häufigste Argument für die Miete: „Ich will nicht 19.000 Euro auf einmal zahlen.“ Verstaendlich. Aber mit einem KfW-Kredit musst du das auch nicht:
| Vergleich | Kauf mit KfW-Kredit | Miete |
|---|---|---|
| Eigenkapital nötig | 0 € | 0 € |
| Monatliche Rate | ca. 110–130 € (15 J. Laufzeit) | 159–199 € |
| Gesamtkosten inkl. Zinsen | ca. 22.000–24.000 € | 38.160–47.760 € |
| Ab Jahr 16 | Kredit abbezahlt, Strom kostenlos | Noch 5 Jahre Miete zahlen |
| Eigentum | Sofort deins | Nach 20 Jahren optional |
Selbst bei Vollfinanzierung über einen Kredit zahlst du bis zu 50% weniger als bei der Miete. Und ab dem Moment, wo der Kredit abbezahlt ist, läuft die Anlage komplett kostenlos weiter – weitere 10 bis 15 Jahre lang.
Was würde dein Kauf kosten?
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Kauf: Vorteile
- 30–50% günstiger über 20 Jahre
- Anlage gehört dir sofort
- Einspeisevergütung geht an dich
- Freie Wahl bei Komponenten und Installateur
- Kein Vertrag, keine Kündigung nötig
- Wert steigert den Immobilienwert
- Nach Amortisation: kostenloser Strom
Kauf: Nachteile
- Anfangsinvestition oder Kredit nötig
- Du traegst das Wartungsrisiko (gering bei modernen Anlagen)
- Versicherung muss selbst abgeschlossen werden
- Mehr Eigenverantwortung bei der Anbietersuche
Miete: Vorteile
- Keine Anfangsinvestition
- Wartung und Versicherung inklusive
- Planbare monatliche Kosten
- Geringer Aufwand für den Kunden
Miete: Nachteile
- 30–50% teurer über die Laufzeit
- Anlage gehört 20 Jahre lang dem Anbieter
- Einspeisevergütung geht an den Anbieter
- Langfristige Vertragsbindung (20 Jahre)
- Kein freies Komponentenwahl
- Bei Hausverkauf: Vertrag muss uebernommen werden
- Preiserhoehungsklauseln möglich
Für wen lohnt sich Mieten trotzdem?
Mieten ist nicht per se schlecht. Es gibt Situationen, in denen es Sinn ergibt:
- Kein Eigenkapital und kein Zugang zu Krediten: Wenn du weder 19.000 Euro hast noch einen Kredit bekommst (z.B. wegen Schufa), ist Mieten die einzige Option.
- Unsicherheit über Wohndauer: Wenn du planst, das Haus in wenigen Jahren zu verkaufen, vermeidest du das Risiko, die Investition nicht zurückzubekommen. Allerdings: PV-Anlagen steigern den Immobilienwert.
- Null Interesse an Technik: Wer sich mit gar nichts beschäftigen will und bereit ist, dafür deutlich mehr zu zahlen, bekommt bei Mietmodellen ein Rundum-Sorglos-Paket.
Das Enpal-Modell im Detail
Enpal ist der bekannteste Anbieter von gemieteten Solaranlagen in Deutschland. So funktioniert es:
- Vertragslaufzeit: 20 Jahre
- Monatliche Rate: ab 79 Euro (nur Module, ohne Speicher) bis 199 Euro (mit Speicher und Wallbox)
- Inbetriebnahme: Enpal übernimmt Planung, Installation und Netzanmeldung
- Wartung: Im Mietpreis enthalten
- Nach 20 Jahren: Kauf zum Restwert (ca. 1 Euro) oder Abbau
Was Enpal im Marketing nicht betont:
- Die Einspeisevergütung geht während der 20 Jahre an Enpal – nicht an dich. Das sind über die Laufzeit 8.000–12.000 Euro, die du verlierst.
- Die Gesamtkosten einer Enpal-Anlage (10 kWp + 10 kWh Speicher) liegen bei 38.000–48.000 Euro. Ein Kauf der gleichen Anlage: 19.000–22.000 Euro.
- Du bist 20 Jahre lang vertraglich gebunden. Vorzeitige Kündigung ist teuer oder unmöglich.
- Bei einem Hausverkauf muss der neue Eigentümer den Vertrag übernehmen – das kann Interessenten abschrecken.
Faire Einschätzung: Enpal hat den PV-Markt belebt und vielen Menschen den Zugang zu Solar erleichtert. Das Produkt ist nicht schlecht – es ist nur deutlich teurer als der Kauf. Wer sich das leisten kann und will, bekommt ein funktionierendes Paket. Wer sparen will, kauft.
Rechenbeispiel: 10 kWp über 25 Jahre
Wir erweitern den Vergleich auf 25 Jahre, weil moderne Solaranlagen mindestens so lange halten:
| Zeitraum | Kauf (einmalig 19.000 €) | Miete (169 €/Monat) |
|---|---|---|
| Nach 5 Jahren | -10.650 € (noch nicht amortisiert) | -10.140 € |
| Nach 10 Jahren | -2.300 € (fast amortisiert) | -20.280 € |
| Nach 15 Jahren | +6.050 € Gewinn | -30.420 € |
| Nach 20 Jahren | +14.400 € Gewinn | -40.560 € |
| Nach 25 Jahren | +22.750 € Gewinn | +8.350 € Gewinn * |
* Annahme: Nach 20 Jahren Miete uebernimmst du die Anlage zum Restwert und nutzt sie weitere 5 Jahre. Die Einspeisevergütung geht dann an dich.
Das Ergebnis: Nach 25 Jahren hast du beim Kauf 22.750 Euro Gewinn gemacht. Bei der Miete: 8.350 Euro. Eine Differenz von über 14.000 Euro – zugunsten des Kaufs.
Unser Fazit
Für die grosse Mehrheit der Hausbesitzer ist der Kauf die wirtschaftlich bessere Wahl. Selbst mit Vollfinanzierung über einen Kredit sparst du im Vergleich zur Miete 15.000–25.000 Euro über die Lebensdauer der Anlage. Mieten lohnt sich nur dann, wenn dir Bequemlichkeit wichtiger ist als Kosten – oder wenn du keinen Kredit bekommst.
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Beantworte diese Fragen ehrlich – und du weisst, was für dich passt:
- Hast du 15.000–25.000 Euro Eigenkapital oder Zugang zu einem Kredit? Ja → Kaufen. Nein → Mieten prüfen.
- Planst du, laenger als 10 Jahre in deinem Haus zu wohnen? Ja → Kaufen (amortisiert sich). Nein → Mieten kann flexibler sein.
- Willst du maximale Rendite? Ja → Kaufen, eindeutig.
- Willst du dich um nichts kuemmern? Ja → Mieten bietet mehr Komfort. Aber: Auch beim Kauf übernimmt der Installateur die Anmeldung, und moderne Anlagen brauchen kaum Wartung.
- Ist dir Eigentum wichtig? Ja → Kaufen. Bei der Miete gehört dir 20 Jahre lang nichts.
Häufig gestellte Fragen
Ist es besser eine Solaranlage zu kaufen oder zu mieten?
Kaufen ist für die meisten Hausbesitzer wirtschaftlich sinnvoller. Über 20 Jahre zahlst du beim Kauf 30–50% weniger als bei der Miete. Mieten lohnt sich nur, wenn du keinerlei Eigenkapital hast und keinen Kredit aufnehmen willst.
Was kostet eine gemietete Solaranlage pro Monat?
Mietmodelle kosten typischerweise 100–200 Euro pro Monat, je nach Anlagengröße und ob ein Speicher enthalten ist. Über 20 Jahre summiert sich das auf 24.000–48.000 Euro.
Was passiert nach 20 Jahren Miete?
Nach Ablauf des Mietvertrags gehört die Anlage weiterhin dem Anbieter. Du kannst den Vertrag verlaengern, die Anlage zum symbolischen Restwert kaufen oder abbauen lassen. Bei Enpal ist der Uebernahmepreis nach 20 Jahren typischerweise 1 Euro.
Ist Enpal günstiger als eine gekaufte Anlage?
Nein, über die gesamte Laufzeit nicht. Eine 10-kWp-Anlage mit Speicher kostet beim Kauf ca. 19.000–22.000 Euro. Bei Enpal zahlst du für die gleiche Anlage 38.000–48.000 Euro über 20 Jahre. Der Vorteil von Enpal liegt im Komfort, nicht im Preis.
Kann ich eine Solaranlage ohne Eigenkapital kaufen?
Ja. Mit einem KfW-Kredit (Programm 270) oder einem Solarkredit deiner Hausbank ist eine 100%-Finanzierung möglich. Die monatliche Kreditrate liegt oft sogar unter der Miete eines Mietmodells.