Solaranlage kaufen oder mieten? Der ehrliche Vergleich

Von Autark Innovations2026-05-1710 Min Lesezeit

Enpal, Zolar, DZ4 – Mietmodelle für Solaranlagen sind überall präsent. Die Werbung verspricht: „Solaranlage ohne Anschaffungskosten, einfach monatlich zahlen.“ Klingt verlockend. Aber ist es wirklich günstiger als der Kauf? Wir rechnen es durch – ehrlich, transparent und ohne Verkaufsinteresse.

Spoiler: Kaufen ist in fast allen Fällen günstiger. Aber Mieten hat seine Berechtigung – für eine bestimmte Zielgruppe. Dieser Artikel zeigt dir, in welche Kategorie du fällst.

So funktioniert das Mietmodell

Beim Mietmodell (auch Solar-Abo oder Solar-Leasing genannt) installiert ein Anbieter eine Solaranlage auf deinem Dach. Du zahlst eine monatliche Rate über typischerweise 20 Jahre. Die Anlage gehört während dieser Zeit dem Anbieter.

Was im Mietpreis enthalten ist:

  • Planung und Installation der Anlage
  • Alle Komponenten (Module, Wechselrichter, ggf. Speicher)
  • Wartung und Reparaturen während der Laufzeit
  • Versicherung der Anlage
  • Monitoring und Fernüberwachung

Was nicht im Mietpreis enthalten ist:

  • Der Strom, den du aus dem Netz beziehst (wenn die Solaranlage nicht genug liefert)
  • Der Eigentumsübergang – die Anlage gehört dir erst nach 20 Jahren (und auch das nur optional)
  • Eventuelle Dacharbeiten, die vor der Installation nötig sind

So funktioniert der Kauf

Beim Kauf bezahlst du die Anlage einmalig oder finanzierst sie über einen Kredit (z.B. KfW 270). Die Anlage gehört dir sofort. Du bist für Wartung und Versicherung selbst verantwortlich – wobei moderne Anlagen kaum Wartung brauchen.

Der große Kostenvergleich: 20 Jahre Laufzeit

Wir vergleichen eine 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher – das häufigste Setup für Einfamilienhäuser.

PositionKaufMiete (z.B. Enpal)
Anschaffung / Einmalzahlung19.000 €0 €
Monatliche Rate (20 Jahre)0 €159–199 €/Monat
Gesamtkosten nach 20 Jahren19.000 €38.160–47.760 €
Wartung & Versicherung (20 J.)2.000–3.000 €inklusive
Gesamtkosten inkl. Nebenkosten21.000–22.000 €38.160–47.760 €
Eigentümer der AnlageDu, sofortAnbieter (20 Jahre lang)
EinspeisevergütungGeht an dichGeht an den Anbieter
Anlage nach 20 JahrenDeine (läuft weitere 10+ Jahre)Kauf zum Restwert oder Abbau

Wichtig: Bei den meisten Mietmodellen behält der Anbieter die Einspeisevergütung. Das bedeutet: Du zahlst nicht nur die Miete, du verzichtest auch auf Einnahmen von 400–600 Euro pro Jahr. Das verschlechtert die Rechnung für die Miete nochmals deutlich.

Kostenvergleich mit Kredit-Finanzierung

Das häufigste Argument für die Miete: „Ich will nicht 19.000 Euro auf einmal zahlen.“ Verständlich. Aber mit einem KfW-Kredit musst du das auch nicht:

VergleichKauf mit KfW-KreditMiete
Eigenkapital nötig0 €0 €
Monatliche Rateca. 110–130 € (15 J. Laufzeit)159–199 €
Gesamtkosten inkl. Zinsenca. 22.000–24.000 €38.160–47.760 €
Ab Jahr 16Kredit abbezahlt, Strom kostenlosNoch 5 Jahre Miete zahlen
EigentumSofort deinsNach 20 Jahren optional

Selbst bei Vollfinanzierung über einen Kredit zahlst du bis zu 50% weniger als bei der Miete. Und ab dem Moment, wo der Kredit abbezahlt ist, läuft die Anlage komplett kostenlos weiter – weitere 10 bis 15 Jahre lang.

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Vorteile und Nachteile im Überblick

Kauf: Vorteile

  • 30–50% günstiger über 20 Jahre
  • Anlage gehört dir sofort
  • Einspeisevergütung geht an dich
  • Freie Wahl bei Komponenten und Installateur
  • Kein Vertrag, keine Kündigung nötig
  • Wert steigert den Immobilienwert
  • Nach Amortisation: kostenloser Strom

Kauf: Nachteile

  • Anfangsinvestition oder Kredit nötig
  • Du trägst das Wartungsrisiko (gering bei modernen Anlagen)
  • Versicherung muss selbst abgeschlossen werden
  • Mehr Eigenverantwortung bei der Anbietersuche

Miete: Vorteile

  • Keine Anfangsinvestition
  • Wartung und Versicherung inklusive
  • Planbare monatliche Kosten
  • Geringer Aufwand für den Kunden

Miete: Nachteile

  • 30–50% teurer über die Laufzeit
  • Anlage gehört 20 Jahre lang dem Anbieter
  • Einspeisevergütung geht an den Anbieter
  • Langfristige Vertragsbindung (20 Jahre)
  • Keine freie Komponentenwahl
  • Bei Hausverkauf: Vertrag muss übernommen werden
  • Preiserhöhungsklauseln möglich

Für wen lohnt sich Mieten trotzdem?

Mieten ist nicht per se schlecht. Es gibt Situationen, in denen es Sinn ergibt:

  • Kein Eigenkapital und kein Zugang zu Krediten: Wenn du weder 19.000 Euro hast noch einen Kredit bekommst (z.B. wegen Schufa), ist Mieten die einzige Option.
  • Unsicherheit über Wohndauer: Wenn du planst, das Haus in wenigen Jahren zu verkaufen, vermeidest du das Risiko, die Investition nicht zurückzubekommen. Allerdings: PV-Anlagen steigern den Immobilienwert.
  • Null Interesse an Technik: Wer sich mit gar nichts beschäftigen will und bereit ist, dafür deutlich mehr zu zahlen, bekommt bei Mietmodellen ein Rundum-Sorglos-Paket.

Das Enpal-Modell im Detail

Enpal ist der bekannteste Anbieter von gemieteten Solaranlagen in Deutschland. So funktioniert es:

  • Vertragslaufzeit: 20 Jahre
  • Monatliche Rate: ab 79 Euro (nur Module, ohne Speicher) bis 199 Euro (mit Speicher und Wallbox)
  • Inbetriebnahme: Enpal übernimmt Planung, Installation und Netzanmeldung
  • Wartung: Im Mietpreis enthalten
  • Nach 20 Jahren: Kauf zum Restwert (ca. 1 Euro) oder Abbau

Was Enpal im Marketing nicht betont:

  • Die Einspeisevergütung geht während der 20 Jahre an Enpal – nicht an dich. Das sind über die Laufzeit 8.000–12.000 Euro, die du verlierst.
  • Die Gesamtkosten einer Enpal-Anlage (10 kWp + 10 kWh Speicher) liegen bei 38.000–48.000 Euro. Ein Kauf der gleichen Anlage: 19.000–22.000 Euro.
  • Du bist 20 Jahre lang vertraglich gebunden. Vorzeitige Kündigung ist teuer oder unmöglich.
  • Bei einem Hausverkauf muss der neue Eigentümer den Vertrag übernehmen – das kann Interessenten abschrecken.

Faire Einschätzung: Enpal hat den PV-Markt belebt und vielen Menschen den Zugang zu Solar erleichtert. Das Produkt ist nicht schlecht – es ist nur deutlich teurer als der Kauf. Wer sich das leisten kann und will, bekommt ein funktionierendes Paket. Wer sparen will, kauft.

Rechenbeispiel: 10 kWp über 25 Jahre

Wir erweitern den Vergleich auf 25 Jahre, weil moderne Solaranlagen mindestens so lange halten:

ZeitraumKauf (einmalig 19.000 €)Miete (169 €/Monat)
Nach 5 Jahren-10.650 € (noch nicht amortisiert)-10.140 €
Nach 10 Jahren-2.300 € (fast amortisiert)-20.280 €
Nach 15 Jahren+6.050 € Gewinn-30.420 €
Nach 20 Jahren+14.400 € Gewinn-40.560 €
Nach 25 Jahren+22.750 € Gewinn+8.350 € Gewinn *

* Annahme: Nach 20 Jahren Miete übernimmst du die Anlage zum Restwert und nutzt sie weitere 5 Jahre. Die Einspeisevergütung geht dann an dich.

Das Ergebnis: Nach 25 Jahren hast du beim Kauf 22.750 Euro Gewinn gemacht. Bei der Miete: 8.350 Euro. Eine Differenz von über 14.000 Euro – zugunsten des Kaufs.

Unser Fazit

Für die große Mehrheit der Hausbesitzer ist der Kauf die wirtschaftlich bessere Wahl. Selbst mit Vollfinanzierung über einen Kredit sparst du im Vergleich zur Miete 15.000–25.000 Euro über die Lebensdauer der Anlage. Mieten lohnt sich nur dann, wenn dir Bequemlichkeit wichtiger ist als Kosten – oder wenn du keinen Kredit bekommst.

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Checkliste: Kauf vs. Miete

Beantworte diese Fragen ehrlich – und du weißt, was für dich passt:

  1. Hast du 15.000–25.000 Euro Eigenkapital oder Zugang zu einem Kredit? Ja → Kaufen. Nein → Mieten prüfen.
  2. Planst du, länger als 10 Jahre in deinem Haus zu wohnen? Ja → Kaufen (amortisiert sich). Nein → Mieten kann flexibler sein.
  3. Willst du maximale Rendite? Ja → Kaufen, eindeutig.
  4. Willst du dich um nichts kümmern? Ja → Mieten bietet mehr Komfort. Aber: Auch beim Kauf übernimmt der Installateur die Anmeldung, und moderne Anlagen brauchen kaum Wartung.
  5. Ist dir Eigentum wichtig? Ja → Kaufen. Bei der Miete gehört dir 20 Jahre lang nichts.

Häufig gestellte Fragen

Ist es besser eine Solaranlage zu kaufen oder zu mieten?

Kaufen ist für die meisten Hausbesitzer wirtschaftlich sinnvoller. Über 20 Jahre zahlst du beim Kauf 30–50% weniger als bei der Miete. Mieten lohnt sich nur, wenn du keinerlei Eigenkapital hast und keinen Kredit aufnehmen willst.

Was kostet eine gemietete Solaranlage pro Monat?

Mietmodelle kosten typischerweise 100–200 Euro pro Monat, je nach Anlagengröße und ob ein Speicher enthalten ist. Über 20 Jahre summiert sich das auf 24.000–48.000 Euro.

Was passiert nach 20 Jahren Miete?

Nach Ablauf des Mietvertrags gehört die Anlage weiterhin dem Anbieter. Du kannst den Vertrag verlängern, die Anlage zum symbolischen Restwert kaufen oder abbauen lassen. Bei Enpal ist der Übernahmepreis nach 20 Jahren typischerweise 1 Euro.

Ist Enpal günstiger als eine gekaufte Anlage?

Nein, über die gesamte Laufzeit nicht. Eine 10-kWp-Anlage mit Speicher kostet beim Kauf ca. 19.000–22.000 Euro. Bei Enpal zahlst du für die gleiche Anlage 38.000–48.000 Euro über 20 Jahre. Der Vorteil von Enpal liegt im Komfort, nicht im Preis.

Kann ich eine Solaranlage ohne Eigenkapital kaufen?

Ja. Mit einem KfW-Kredit (Programm 270) oder einem Solarkredit deiner Hausbank ist eine 100%-Finanzierung möglich. Die monatliche Kreditrate liegt oft sogar unter der Miete eines Mietmodells.

Was wir aus 47 Projekten in OWL gelernt haben

Über die letzten Jahre haben wir 47 Photovoltaik-Projekte in Ostwestfalen-Lippe und Umgebung geplant und begleitet. Ein paar Muster, die in keinem Katalog stehen:

  • Süd-Dach ist überschätzt. Eine Ost-West-Belegung mit 30° Neigung liefert nur 5–8 % weniger Gesamtertrag, dafür ist der Tagesgang viel ausgeglichener. Eigenverbrauchsquoten von 45 % ohne Speicher sind normal.
  • Der Zählerschrank kostet öfter Geld als gedacht. Bei rund jedem dritten Altbau (≥ 2005) ist ein TAB-konformer Umbau nötig. Plan-Aufschlag: 400–700 €.
  • Module knausern lohnt nicht. 30 €/Modul gespart = 600–700 € Gesamtersparnis bei einer 10-kWp-Anlage. Premium-Module (TOPCon) bringen aber 5–8 % mehr Jahresertrag — das holt die Mehrkosten in 4–5 Jahren rein.
  • Verschattung ist oft kein Showstopper. Mit Modul-Optimierern (Tigo, SolarEdge) oder Mikrowechselrichtern lassen sich auch dachfensterreiche Häuser sinnvoll belegen.

Mythos vs. Fakt

Mythos: "Solar lohnt sich in OWL nicht — zu wenig Sonne."

Fakt: Ostwestfalen-Lippe hat 1.500–1.700 Sonnenstunden pro Jahr. Eine 10-kWp-Anlage erzeugt hier 9.000–10.500 kWh — vergleichbar zu Niederbayern. Der Unterschied zu Süddeutschland liegt bei rund 8 %, nicht bei den oft kolportierten 30 %.

Mythos: "Bei bewölktem Himmel produziert eine PV-Anlage nichts."

Fakt: Moderne Module liefern auch bei diffusem Licht 10–25 % der Nennleistung. Selbst an trüben Herbsttagen sind 1–2 kWh pro kWp realistisch.

Ausblick 2026 / 2027: Was sich ändert

Solarspitzengesetz seit 2025 aktiv: PV-Anlagen ab 7 kWp brauchen ein Steuersignal vom Netzbetreiber. In Hitzephasen kann die Einspeisung gedrosselt werden — der Ausgleich erfolgt über höhere Einspeisevergütung in Schwachzeiten.

2026: Modulpreise stabilisieren sich auf niedrigem Niveau (1.200–1.400 €/kWp). Wechselrichter-Preise erholen sich leicht. Speicherpreise sinken weiter um 8–12 %.

2027 erwartet: Dynamische Stromtarife werden Pflicht — wer flexibel laden kann, profitiert. Smart Meter mit 15-Minuten-Takt sind Standard. Negative Strompreise an sonnigen Wochenenden werden alltäglich — Speicher mit dynamischer Be-/Entladung amortisieren sich schneller.

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